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Aufstellen mit Figuren

Aufstellen mit Figuren – ein klarer Blick auf innere und äußere Beziehungsdynamiken

Das Aufstellen mit Figuren ist eine besondere Form der Systemischen Aufstellungsarbeit, bei der anstelle von realen Personen kleine Figuren auf einem Tisch oder einem sogenannten Systembrett verwendet werden. Diese Methode eröffnet einen ruhigen, konzentrierten Raum, in dem innere Bilder, familiäre und berufliche Beziehungsdynamiken oder auch persönliche Entscheidungsprozesse sichtbar und erfahrbar werden.

Immer wieder taucht die Frage auf, ob das Arbeiten mit Figuren „weniger wirksam“ sei als die klassische Aufstellung mit realen Stellvertreter:innen – oder ob es sich gar um eine Art „Einführungsmethode“ handelt, bevor man das „richtige“ Familienstellen erlernt.
Aus meiner Erfahrung lässt sich sagen: Beide Formen sind gleichwertige Wege, die jeweils ihre eigenen Qualitäten haben. Die Arbeit mit Figuren ist nicht weniger tiefgehend – sie wirkt oft sogar besonders klar, konzentriert und nachhaltig.

Der therapeutische Rahmen

In meiner Praxis setze ich das Figurenstellen überwiegend im Einzel-Setting und im psychotherapeutischen Kontext ein. Gemeinsam mit dem Klienten/der Klientin wird zunächst das persönliche Anliegen herausgearbeitet – etwa ein wiederkehrendes Beziehungsmuster, eine familiäre Dynamik oder eine innere Zerrissenheit zwischen verschiedenen Lebensaspekten.

Anschließend wird die Situation mithilfe der Figuren sichtbar gemacht. Durch behutsames Umstellen, Wahrnehmen und Reflektieren entfalten sich Einsichten über unbewusste Verstrickungen, Bedürfnisse und Ressourcen. So entsteht ein Prozess, in dem sich Schritt für Schritt neue Perspektiven und Lösungsansätze zeigen können.

Sie verbindet Struktur mit Intuition, Klarheit mit Mitgefühl – und schenkt den Beteiligten die Möglichkeit, die eigene innere Landschaft in Ruhe und Tiefe zu erforschen.

Besondere Stärken des Arbeitens mit Figuren

Die Aufstellungsarbeit mit Figuren bietet eine hohe Übersicht und Klarheit, insbesondere bei komplexen Themen. Familiäre oder berufliche Systeme mit vielen Beteiligten lassen sich auf dem Brett gut strukturieren. Auch abstrakte Aspekte – wie Gefühle, Werte, Symptome oder innere Anteile – können durch zusätzliche Symbole sichtbar gemacht werden.

Das Arbeiten mit Figuren schafft zudem eine heilsame Distanz: Die äußere Darstellung auf dem Brett erlaubt einen klareren Blick auf innere Zusammenhänge. Klient:innen können innehalten, spüren, reflektieren – ohne von der Dynamik einer Gruppe mitgezogen zu werden.

Ein weiterer Vorteil liegt im achtsamen Tempo des Prozesses: Die Figuren bewegen sich nicht von selbst. Sie warten, bis die Person bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen. Diese Stille und Ruhe geben Raum, um Wahrnehmungen zu vertiefen und das Erfahrene auf einer inneren Ebene zu integrieren.

Fazit

Das Aufstellen mit Figuren ist eine ebenso wirksame wie sanfte Methode, die es ermöglicht, komplexe Themen auf eine klare und geschützte Weise zu betrachten. Ob im therapeutischen Einzelgespräch oder in der Selbsterforschung – diese Form der Aufstellungsarbeit öffnet einen Raum für innere Ordnung, Verständnis und Veränderung.